Abschlussbericht, 2025 Universitätsmedizin Mainz
Dr. rer. physiol. Anke Quack M.A., M.Sc. Lena Gieseke, Univ.-Prof. Dr. med. Jonas Tesarz
Die Studie des Kompetenzzentrums Spielerschutz & Prävention der Universitätsmedizin Mainz basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von 1.961 aktiven Glücksspielern im Alter von 18 bis 70 Jahren, die zwischen Februar und März 2025 durchgeführt wurde. Ziel war es, die Perspektive der Spieler stärker in die Diskussion über Spielerschutz einzubeziehen und Ansatzpunkte für eine wirksamere Ausgestaltung von Schutzmaßnahmen zu identifizieren.
Die Ergebnisse zeigen, dass Spielerschutzmaßnahmen vielen Spielern grundsätzlich bekannt sind. Die Bekanntheitswerte unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen den einzelnen Angeboten. Am häufigsten genannt wurden Warnhinweise in der Glücksspielwerbung (40%) sowie die Telefon-Hotline für Hilfesuchende (36%). Informationsangebote wie die Website „check-dein-spiel.de“, Beratungsangebote oder Selbsttests zur Einschätzung des eigenen Spielverhaltens erreichten dagegen deutlich geringere Bekanntheitswerte.
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Bekanntheit und tatsächlicher Nutzung. Ein großer Teil der Befragten nutzt vorhandene Spielerschutzangebote trotz Kenntnis nicht aktiv. Von den Teilnehmern, die mindestens eine Maßnahme kannten, gaben 72% an, bislang keine dieser Maßnahmen in Anspruch genommen zu haben. Damit bestätigt die Studie frühere nationale und internationale Befunde, die ebenfalls auf eine geringe Nutzung von Spielerschutzangeboten hinweisen.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen verschiedenen Spielergruppen. Problemspieler und Risikospieler kennen Spielerschutzmaßnahmen deutlich häufiger als Spieler ohne Auffälligkeiten im Spielverhalten. Zugleich nutzen sie entsprechende Angebote auch wesentlich häufiger. So berichteten mehr als die Hälfte der Problemspieler, die Einzahlungslimits kannten, diese bereits genutzt zu haben. Bei unproblematischen Spielern lag dieser Anteil deutlich niedriger. Ähnliche Unterschiede zeigten sich bei Selbstsperren, Beratungsangeboten und weiteren Schutzinstrumenten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung war die Wahrnehmung von Spielerschutzhinweisen im Umfeld von Glücksspielwerbung. Die Ergebnisse zeigen, dass Werbebotschaften deutlich stärker wahrgenommen werden als Hinweise zum Spielerschutz. Nur rund 30% erinnerten sich an den Hinweis „Glücksspiel kann süchtig machen“, 22% an den Verweis auf Hilfsangebote und 19% an eine Hotline-Nummer. Jüngere Spieler sowie Personen mit problematischem Spielverhalten nahmen Spielerschutzelemente häufiger wahr als ältere oder unproblematische Spieler.
Die Befragung untersuchte außerdem die Einstellungen der Teilnehmer zu Glücksspiel und Spielerschutz. Eine Mehrheit betrachtet Glücksspiel als Freizeitbeschäftigung, zugleich ist das Bewusstsein für mögliche Risiken ausgeprägt. 91% stimmen der Aussage zu, dass Glücksspiele vom Zufall bestimmt werden. 86% sehen die Verantwortung für die Kontrolle des Spielverhaltens in erster Linie bei den Spielern selbst.
Ein zentraler Teil der Studie widmete sich schließlich der Frage, wie unterschiedliche Spielerschutzhinweise bewertet werden. Hierfür wurden neben heute üblichen Standardhinweisen auch neu entwickelte Botschaften getestet. Diese griffen Erkenntnisse aus qualitativen Vorstudien auf und setzten stärker auf Unterstützung, Entstigmatisierung und konkrete Hilfsangebote. Die Ergebnisse zeigen, dass es keine einzelne Botschaft gibt, die von allen Zielgruppen gleichermaßen bevorzugt wird. Während jüngere und stärker belastete Spieler emotionale und unterstützende Botschaften häufiger positiv bewerteten, bevorzugten ältere Teilnehmer eher sachliche und informationsorientierte Hinweise. Die Autoren empfehlen, Spielerschutzkommunikation stärker zielgruppenspezifisch auszurichten, um unterschiedliche Bedürfnisse und Risikoprofile besser zu berücksichtigen.
Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass Spielerschutzmaßnahmen in Deutschland zwar vorhanden und vielen Spielern bekannt sind, ihre Nutzung jedoch deutlich hinter ihrer Bekanntheit zurückbleibt. Die Ergebnisse sprechen dafür, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzerorientierung weiter zu verbessern. Sie sollten sie als wichtige, aber kontextgebundene Hinweise verstanden werden, die im Rahmen zukünftiger Forschung weiter vertieft und validiert werden sollten.




